Zuerst möchte ich mich kurz vorstellen. Mein Name ist Ehler Hugo, ( Ehler ist der Vorname). Ich bin Jahrgang 66, Nebenerwerbslandwirt mit einem Fulltimejob in der Softwareentwicklung in der EDV-Abteilung eines Industriebetriebes und bewirtschafte in 31608 Marklohe/Oyle, 5 km westlich von Nienburg/Weser, mitten in Niedersachsen einen kleinen landw. Betrieb.
Der Betrieb umfasst 20 ha und wurde von meinem Großvater als Rinderzuchtbetrieb bis Mitte der 60er Jahre bewirtschaftet. Mein Vater ergriff schon früh eine außerlandwirtschaftliche Tätigkeit in der EDV, da er in der Landwirtschaft schon Ende der 60er keine Zukunft für sich sah, und ging in den Nebenerwerb. 1985 nahm ich nach dem Abitur eine landw. Ausbildung auf, mit dem festen Ziel den Betrieb in Form eines Haupterwerbsbetriebes mit dem Schwerpunkt Schweinehaltung zu betreiben. Irgendwann habe ich erkennen müssen, dass ich mit 20 ha, 15 Sauen und 80 Mastplätzen über kurz oder lang den Hungertod würde sterben müssen. Da mich die Landwirtschaft mehr in der Praxis wirklich reizt, und ich bei Aufnahme eines Uni-Studiums den Betrieb hätte aufgeben müssen, durchlief ich eine zweite Ausbildung zum Wirtschaftsinformatiker an einer Privatschule in Hannover.
1991 habe ich den Hof von meinem Vater gepachtet und ihn mittlerweile auf 450 Schweinemastplätze ausgebaut. Der Ackerbau wurde aus arbeitswirtschaftlichen und auch Kostengründen an einen Vollerwerbslandwirt im Ort zur Bewirtschaftung abgegeben. Für mich persönlich ist es wichtig, eigene Ideen umsetzen zu können, zu Problemen eigene Lösungswege zu erarbeiten und umzusetzen, nicht etwas zu tun, was mir andere sagen, ohne selbst die Notwendigkeit zu erkennen.
Dieses war ein wichtiger Punkt, mich für
einen Beruf in der Programmierung zu entscheiden. Ein 20 ha Betrieb mit ein paar hundert
Schweinen bietet in unserer Zeit der Globalisierung, nach dem Zusammenbruch des
Kommunismus, langfristig gesehen, keine ausreichende alleinige Lebensgrundlage.
Für Nichtlandwirte schwer zu verstehen, aber ein paar hundert Tiere sind ein 'nettes
Hobby', in Zeiten mit guten Preisen ergänzen sie mein Einkommen aus der Industrie ein
wenig. Da aber fast alle Menschen einen immer geringeren Teil ihres Einkommens für ihre
Nahrungsmittel ausgeben möchten, und die großen Handelsketten eine starke Marktmacht
haben, ist die konventionelle Landwirtschaft gezwungen, in immer größeren Einheiten zu
produzieren. Nur so ist es kostengünstig möglich.
Wahrscheinlich wird es in 20 Jahren kaum noch Bauernhöfe, sondern nur noch agrarindustrielle Betriebe geben. Bedenklich ist es auch, dass sich sehr viele Menschen an Medienskandalen ereifern können, aber gar kein Bezug zur tatsächlichen Erzeugung ihrer Nahrungsmittel und zu den Landwirten vor Ort haben. Es wird mehr gegeneinander gearbeitet als miteinander, was ich persönlich nicht gut finde, man sollte den Kontakt suchen.
Für mich persönlich ist es ein toller Ausgleich, nach dem 'Bürostress' den Bezug zur Natur und Landwirtschaft nicht zu verlieren.