Straußenhaltung

Liebe Touristen,
mit der Reaktivierung eines alten Wegerechtes durch unser Grünland haben Sie die Gelegenheit bekommen, Straußen direkt auf einem Bauernhof zu besichtigen. Im Sommer 1997 haben wir das erste mal 8 Jungstraußen auf der ehemaligen Pferdeweide gehalten. Diese in unseren Breiten nicht alltäglichen Vögel haben doch so manchen Spaziergänger und Radfahrer bewogen, eine kleine Pause einzulegen und sich seinen Eindruck zu der Angelegenheit zu machen, vielleicht so manche Fragen und Gedanken aufkommen lassen („Straußen, frieren die denn nicht tot, die leben doch in der Wüste?“)
Um nach viel Frust und Ärger mit deutschen Behörden etwas mehr über den Strauß zu erfahren, bin ich im Februar 1997 nach Namibia geflogen, habe mir einige Farmen angesehen und einen eigenen Eindruck, bzw. eine eigene Meinung zur „globalen Straußenpolitik“ gewonnen. Wer wusste vor 25 Jahren schon, was Putenfleisch ist? Ob es sinnvoll oder artgerecht ist, hier Straußen zu halten, möge jeder für sich selbst entscheiden. Schlechter als in ihrer Heimat geht es ihnen hier keinesfalls, und so manches Haustier darf von so viel Freiheit nur träumen.
Um Ihnen etwas mehr zum Thema Strauß an die Hand zu geben, habe ich die folgenden Zeilen geschrieben

Historisches zur Haltung
1906 wurden zum ersten Mal Straußen durch Carl Hagenbeck nach Deutschland eingeführt. Zu diesem Zeitpunkt war die Straußenzucht in Südafrika schon weit entwickelt. Um 1860 begannen die ersten Farmer Interesse an der Straußenzucht zu finden. Bald wurde die Kleine Karoo um Oudtshorn zum Zentrum der Straußenindustrie, die sich aufgrund des Federexports nach Europa ab 1870 explosionsartig entwickelte. Aufgrund des Anbaus von Luzerne, der Erstellung von Gehegeumzäunungen und der Erfindung der ersten Petroleum-Straußenbrüter auf der einen Seite, sowie der günstigen geographischen und klimatischen Verhältnisse auf der anderen Seite war eine Expansion der Straußenhaltung möglich. Der Federboom erreichte seinen Höhepunkt 1913 und brach mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges ganz ab.
Nach Kriegsende, bis Mitte der 1980er Jahre wurde die Straußenzucht hauptsächlich auf das Produkt Leder ausgerichtet. Die Forcierung des Züchterinteresses in den Strauß seit 1980 ist auf die „Entdeckung“ des Straußenfleisches zurückzuführen, das in seinen Qualitätseigenschaften in idealer Weise den Bedürfnissen gesundheitsbewusster und anspruchsvoller Konsumenten entgegenkommt.
In der heutigen Zeit leben mehr als 80% der weltweiten Straußenpopulationen auf Farmen oder in zoologischen Gärten. Die Farmen in der Oudtshorn-Region Südafrikas halten etwa 60% der weltweiten Straußenpopulation. Andere fast schon traditionelle Gebiete liegen im übrigen südlichen Afrika, den USA, Israel und Australien.
Im Zuge der dritten Boom-Phase der Straußenhaltung sind Farmen in einer Vielzahl von Ländern entstanden, u.a. in fast allen west- und mitteleuropäischen Ländern.

Straußenrassen
Man unterscheidet im Sprachgebrauch drei Rassen, Blauhalsstrauße (Blue Necks), Rothalsstrauße (Red Necks) und Schwarzhalsstrauße (African Black). Der African Black ist der auf südafrikanischen Farmen domestizierte Farmstrauß. Ihn gibt es in freier Wildbahn nicht. Er ist kleiner und kompakter.
Die Rothalshähne haben, besonders in der Paarungszeit einen stark rot angefärbten Hals und rote Beine und Keulen. Außerdem haben Rothalsstraußen eine „Platte“ auf dem Kopf. Die Hähne können sehr aggressiv werden und erreichen einen Höhe von über 3 m wenn sie sich aufbauen. Ihre Tritte können tödlich sein, wenn sie einen Menschen in den Unterleib treffen.
Blauhalshähne und Schwarzhalshähne haben lediglich einen stark roten Schnabel und rote Beinplatten, wobei die Schwarzen erheblich kleiner sind, als die Blauen. Auch diese Hähne werden in der Paarungszeit aggressiv gegenüber Fremden.
Alle Hähne haben nach Eintritt der Geschlechtsreife ein schwarzes Gefieder mit weißen Flügelschwungfedern.
Die Hennen sind stets grau gefiedert, nur die Rothalshennen oder auch Kreuzungstiere mit Rothalsblut kann man an ihrer „Platte“ erkennen.

Straußen in freier Wildbahn
In Namibia sind mir im Nationalpark Etoschapfanne im Norden des Landes und auf der Fahrt durch die Diamantenwüste zur Küste einige Straußen begegnet. Sie sind sehr scheu. Straußen sollen bis zu 60 Jahre alt werden können, und haben in der Wildnis eine sehr geringe Reproduktionsrate. Man sagt, eine Henne muss ihr eigenes Körpergewicht an Eiern legen, um einen neuen erwachsenen Strauß heran wachsen zu lassen. Die Eier sind sowohl von den Menschen als auch von Raubtieren sehr begehrt, sofern diese die Eier geöffnet bekommen.
Es kann allerdings lebensgefährlich sein, sich an ein Straußengelege zu begeben, wenn der Hahn in der Nähe ist. Bei diesen Versuchen kommen immer wieder Menschen ums Leben, oder werden schwer verletzt.
Meine Beobachtungen der Straußenhaltung und Fütterung auf Farmen im Süden Namibias im März 1997
Auf Straußenfarmen in Namibia werden die Tiere keinesfalls auf großen grünen Weiden gehalten, wie man vielleicht meinen könnte. Die Farmen in Namibia sind 5.000 ha bis 15.000 ha groß. Die Farmer haben in der Regel von extensiver Rinder- und Schafwirtschaft gelebt, wobei in den trockenen Gebieten des Südens bis zu 50 ha nötig sind, um eine Kuh mit Kalb satt zu bekommen, und in den Halbwüsten 7 ha für ein Schaf/eine Ziege benötigt werden.
Es sind nur die Farmer in die Straußenhaltung eingestiegen, die keine andere Lebensgrundlage mehr sahen. Die Straußen werden in Gruppen von 50 bis 100 Tieren in 3000 qm bis 8000 qm großen Koppeln im Wüstensand gehalten. Sie werden mit, aus der Republik Südafrika importierten Fertigfutter, von den Schwarzen Farmarbeitern aus aufgeschnittenen Autoreifen oder Futterautomaten gefüttert. Tagsüber wird es in der Sonne bis zu 50°C warm, in der Nacht fallen die Temperaturen um 20°C bis 30°C ab, so dass die Tiere innerhalb weniger Stunden starken Temperaturschwankungen unterliegen. Bei den Jungtieren, bis zu einem Alter von 5 Monaten führt dieses zu erheblichen Aufzuchtverlusten, die oftmals auf Luftsackentzündungen zurück zu führen sind. Ältere Tiere sind in der Lage, sich dieser Situation anzupassen. Allerdings treten aufgrund der fehlenden Bewegungsmöglichkeiten oftmals erhebliche Beinschäden bei den Tieren auf.
Die Farmer sind nicht unbedingt als freie Unternehmer tätig, sondern es bleibt ihnen oft keine andere Überlebensmöglichkeit, als unter von Konzernen vorgegebenen Rahmenbedingungen ihr Futter zu beziehen, ihre Küken zu beziehen und die fertigen Schlachttiere abzuliefern. Hauptproduktionsziel in Afrika ist das Straußenleder, das Fleisch ist ein Nebenprodukt.

Straußenhaltung in Deutschland
Anfang der 90er begannen einige ‘Verrückte‘ in Deutschland genau so wie in fast allen europäischen Nachbarländern, mit der Straußenhaltung. Die ersten Tiere wurden für sehr teures Geld auf nicht immer ganz nachvollziehbaren Wegen ins Land geholt. Einige internationale Tierhändler haben mit Sicherheit ihren Profit gemacht, da am Anfang Preise von bis zu 15.000,- DM pro Tier gezahlt wurden. Einige Straußenhalter haben sich zu Beginn auch Eier gekauft, und ihren Bestand selbst aufgebaut. Viele Einsteiger der ersten Stunden sind aus verschiedenen Gründen auch schnell wieder ausgestiegen.
Die meisten deutschen Straußenhalter, wie auch wir, sind im Bundesverband Deutscher Straußenzüchter organisiert, einige auch noch im Europäischen Verband.
In der Regel werden 2 Hennen mit einem Hahn als Zuchttrio gehalten. Dieses Trio legt dann in einer Legesaison (März bis September) 40 bis 80 Eier in eine Nestmulde, die der Hahn irgendwo in Gehege oder im Stall ausbuddelt. Der Legeabstand zwischen zwei Eiern beträgt mindestens 2 Tage, die Eier haben ein Gewicht von 1,2 KG bis 2 KG. Sie werden täglich eingesammelt, bis zu 2 Wochen aufbewahrt und dann in den Brutschrank gelegt. Würde man die Eier nicht einsammeln, so könnte es sein, dass die Hennen bei ca. 15 bis 20 Eier im Nest das Legen einstellen und das Trio mit der Brut beginnt, wobei der Hahn in der Nacht und die Haupthenne am Tag brütet. Die Brutdauer beträgt 42 Tage. Die Küken haben ein Geburtsgewicht von 700 bis 900 Gramm und sind in den ersten zwei Lebenswochen empfindlich. Wenn sie aus dieser Phase heraus sind, und mit einem Alter von ca.10 Tagen richtig fressen, kann man sie wachsen sehen. Bei der Geburt sind sie ca. 25 cm groß, mit 6 Monaten haben viele die 2-Metermarke überschritten. In den ersten Wochen sind sie gegenüber Nässe empfindlich, Kälte macht ihnen weniger aus, es darf nur der Unterleib nicht auskühlen, weil die Verdauung dann nicht mehr richtig funktioniert.

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